Kirchenkreis Steinfurt Coesfeld Borken

Gäste aus Simbabwe ziehen positive Bilanz

„Wir würden jederzeit wiederkommen“: Delegation aus Simbabwe blicken auf zwei Wochen im Kirchenkreis Steinfurt-Coesfeld-Borken zurück

v.l. Bischof Dr. Vushebwashe Mhaka, Olaf Goos, Major Mahlangu, Marie-Luise Beidenhauser-Wansorra, Regai Mratu. Foto: M. Knorr

Die Gäste aus Simbabwe wirkten auch bei der Einführung von Superintendentin Imke Philipps mit. V.l. Major Mahlangu, Regai Mratu, Bischof Dr. Vushebwashe Mhaka, Imke Philipps. Foto: K. Hemker

Zu Gast in Ahaus: Einen Teil ihres Aufenthalts verbrachte die Delegation bei Gastfamilien in Ahaus. Foto: O. Goos

Abstecher in die Niederlande. Foto: O. Goos

Zwei Wochen lang waren Bischof Dr. Vushebwashe Mhaka, Regai Mratu und Major Mahlangu aus der Ost-Diözese der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Simbabwe im Kirchenkreis Steinfurt-Coesfeld-Borken zu Gast. Sie lebten in Gastfamilien, besuchten Kirchengemeinden, Kindergärten und landwirtschaftliche Betriebe und tauschten sich über die Partnerschaft der beiden Kirchen aus. Am Tag ihrer Rückreise berichten sie von ihren Erfahrungen, überraschenden Beobachtungen und Erkenntnissen, die sie mit nach Hause nehmen.

Heute ist euer letzter Tag in Deutschland. Freut ihr euch auf die Rückkehr nach Simbabwe oder würdet ihr gerne noch länger bleiben?

Regai: Ich freue mich auf zu Hause. Ehrlich gesagt möchte ich auch dem kalten Wetter entkommen. Als ich einige Vögel fliegen sah, erklärte man mir, dass sie ein Zeichen für einen Wetterumschwung seien. Ich kann es kaum erwarten, wieder in das warme Wetter nach Hause zu kommen.

Major: Natürlich vermissen wir unsere Familien. Aber das bedeutet nicht, dass wir unseren Aufenthalt hier nicht genossen haben. Ganz im Gegenteil: Wir haben uns sehr wohlgefühlt und werden die Gastfreundschaft unserer Gastgeber vermissen. Sie war wirklich erstklassig. Wir würden jederzeit wiederkommen.

Bischof Mhaka: Unser Aufenthalt hier war wundervoll, wir haben ihn sehr genossen. Aber jetzt ist es Zeit, wieder nach Hause zu fliegen.

Was hat euch in Deutschland besonders überrascht? Welche Unterschiede zu Simbabwe sind euch aufgefallen?

Bischof Mhaka: Mich hat überrascht, wie selbstverständlich sich die Menschen hier an Verkehrsregeln halten. Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer haben ihre Rechte auf der Straße, und meistens werden diese auch respektiert. Autofahrer halten an, damit Fußgänger oder Radfahrer passieren können. Das ist bei uns ganz anders.

Auch die Pünktlichkeit ist bemerkenswert. Wenn man sich um sieben Uhr verabredet, dann ist es sieben Uhr – nicht sieben Uhr zehn. Wenn das Frühstück für neun Uhr geplant ist, beginnt es auch um neun Uhr.

Major: Mich hat vor allem der Stellenwert des Fahrrads beeindruckt. Hier ist es ein ganz normales Verkehrsmittel und zugleich ein Beitrag zum Klimaschutz. Sogar bei der Planung und beim Bau der Straßen wird an die Radfahrer gedacht. Bei uns in Simbabwe werden Fahrräder dagegen häufig aus finanzieller Not genutzt. Wer sich keinen Bus leisten kann, fährt Fahrrad. Deshalb verbinden viele Menschen Fahrräder mit Armut.

Auch das Umweltbewusstsein hat mich beeindruckt. Schon im Kindergarten werden Kinder für Klimaschutz und Umweltfragen sensibilisiert. Bei uns beschäftigt man sich mit solchen Themen meist erst, wenn man sich beruflich oder im Studium darauf spezialisiert. Dass Klimagerechtigkeit hier auch öffentlich diskutiert wird, nehme ich als wichtige Erkenntnis mit nach Hause.

Regai: Auf den Bauernhöfen in Simbabwe arbeiten häufig viele Menschen. Hier habe ich erlebt, dass oft nur ein oder zwei Personen einen Hof bewirtschaften, meistens ein Ehepaar. Auch das Familienleben hat mich überrascht. Bei den Gastfamilien habe ich gesehen, wie selbstverständlich Mann und Frau Aufgaben gemeinsam erledigen: Sie kochen, decken den Tisch und spülen zusammen ab. Das hat mir sehr gefallen.

Auch die Kinder haben mich beeindruckt. Ich habe mehrere Gruppen in Kindergärten und Gemeinden erlebt. Sie waren aufmerksam, beteiligten sich aktiv und brachten sich selbstverständlich ein. Jugendliche halfen sogar bei der Gestaltung eines Gottesdienstes. Ich hatte auch die Gelegenheit, eine Konfirmandengruppe zu besuchen und mich eine Stunde lang allein mit den Jugendlichen zu unterhalten. Ich hatte das Gefühl, mit Erwachsenen zu sprechen. Vielleicht geben wir unseren Kindern zu Hause nicht immer genügend Gelegenheit, sich einzubringen und ihre Meinung zu äußern. Auch das ist etwas, das wir mitnehmen und weitergeben möchten.

Ihr habt während eures Aufenthalts in verschiedenen Gastfamilien gelebt. Wie habt ihr diese Zeit erlebt?

Bischof Mhaka: Unsere Gastgeber waren großartig. Sie wollten nicht, dass uns irgendetwas fehlt. Vom Frühstück bis zum Schlafengehen haben sie immer wieder gefragt, ob wir noch etwas brauchen. Ich glaube, wir sind inzwischen richtig zusammengewachsen. Deshalb fällt mir der Gedanke an die Rückkehr nicht leicht. Wir fühlen uns als Teil dieser Familien. Wir sind hier zu Hause.

Major: Unsere Gastgeber haben uns sehr viel Geborgenheit gegeben. Wenn man an einen fremden Ort kommt, hat man zunächst einige Bedenken. Aber durch die Begegnungen und die herzliche Art der Menschen waren diese schnell verschwunden. Ich glaube, ich habe in den vergangenen zwei Wochen mehr Kaffee getrunken als sonst in mehreren Monaten. Nach dem Essen gab es Kaffee, Tee und Kuchen – und immer wurde gefragt, ob wir noch etwas möchten. Wir haben uns wirklich sehr wohlgefühlt.

Manchmal war die Sprache eine Herausforderung. Aber selbst wenn man sich sprachlich nicht vollständig versteht, kann man die Liebe eines Menschen spüren. Wir haben Übersetzungsprogramme genutzt oder Nachrichten geschrieben. Aber das Wichtigste ist nicht die Sprache. Entscheidend ist die Liebe, die von Herzen kommt.

Regai: Und Gastfreundschaft gibt es natürlich auch bei uns in Simbabwe. Wir sind ebenfalls eine sehr gastfreundliche Kultur. Wenn ihr das nächste Mal zu uns kommt, solltet ihr unsere Familien besuchen und unsere afrikanische Gastfreundschaft kennenlernen. Wir werden euch gut bewirten – und es wird reichlich traditionelles Essen geben.

Gab es auch lustige oder ungewöhnliche Erlebnisse bei euren Gastfamilien?

Regai: Bei meiner ersten Gastfamilie gab es eine Katze namens Carlotta. Sie wurde behandelt, als wäre sie ein Familienmitglied. Die Katze durfte überall im Haus sein, hatte ihre festen Gewohnheiten und machte deutlich, wenn ihr etwas nicht passte. Bei uns in Simbabwe werden Katzen und Hunde zwar auch als Haustiere gehalten, aber normalerweise nicht so sehr in das Leben im Haus einbezogen.

Bischof Mhaka: Auch der Umgang mit Tieren und der Natur ist mir aufgefallen. Wir haben auf einem Bauernhof gesehen, wie liebevoll die Kühe behandelt wurden, obwohl einige von ihnen am nächsten Tag geschlachtet werden sollten. Und es gibt Plätze, an denen Vögel gefüttert werden. Bei uns würde man eine solche Futterstelle eher als Falle nutzen, um die Vögel zu fangen und zu essen.

Was waren eure persönlichen Höhepunkte der Reise?

Major: Mich haben besonders die erneuerbaren Energien beeindruckt. Auf vielen Häusern haben wir Solaranlagen gesehen. Bei uns wird Solarenergie meistens als zusätzliche Energiequelle genutzt, wenn die reguläre Versorgung ausfällt. Hier dagegen ist sie vielerorts eine selbstverständliche und wichtige Energiequelle. 

Sehr bewegt hat mich auch der Zugang zu Bildung. Kinder aus Familien, die sich das Schulgeld nicht leisten können, dürfen hier trotzdem zur Schule gehen. Bei uns ist das Recht auf Bildung zwar in der Verfassung verankert, aber die Unterstützung für benachteiligte Kinder funktioniert nicht immer zuverlässig. Hier habe ich erlebt, wie dieser Anspruch tatsächlich umgesetzt werden kann.

Bischof Mhaka: Mich hat besonders die ökumenische Zusammenarbeit zwischen evangelischen und katholischen Gemeinden beeindruckt. Außerdem fand ich es bemerkenswert, wie offen der Zugang zu öffentlichen Einrichtungen und historischen Orten ist. Wir konnten beispielsweise Menschen in verantwortlichen Positionen treffen und Orte besuchen, zu denen man bei uns nicht ohne Weiteres Zugang bekommt.

Beeindruckt hat mich auch der Umgang mit Geschichte. Selbst ganz normale Gebäude haben hier eine Geschichte, die bewahrt und erzählt wird. Besonders die Stolpersteine sind mir in Erinnerung geblieben. Ich finde es wichtig, dass auch Kinder und Jugendliche mit der Geschichte vertraut gemacht werden. So bleibt sie lebendig und kann uns helfen, die Zukunft zu gestalten.

Regai: Wenn Eltern ihre Kinder zum Kindergottesdienst bringen, setzen sie sich gemeinsam mit ihnen dazu. Sie bleiben während des gesamten Programms dabei und gehen erst, wenn es vorbei ist. So wissen die Eltern genau, was ihren Kindern vermittelt wird. Bei uns ist das anders: Wir schicken unsere Kinder einfach zum Kindergottesdienst. Sie gehen in einen Raum, die Tür wird geschlossen, und irgendwann kommen sie wieder heraus – vielleicht mit ein paar Süßigkeiten. Damit ist die Sache erledigt. Als Eltern wissen wir nicht, was unseren Kindern vermittelt wird. Wir kennen auch die Menschen nicht, die sie unterrichten. Hier habe ich aber erlebt, dass Eltern ihre Kinder begleiten und von Anfang bis Ende bei ihrem Kindergottesdienst dabei sind. Das finde ich eine sehr gute Sache.

Ihr habt auch Gottesdienste in Deutschland besucht. Wie unterscheiden sie sich von den Gottesdiensten in Simbabwe?

Regai: Unsere Gottesdienste sind lebhafter. Wir singen viel und tanzen. In manchen Gemeinden dauert ein Gottesdienst mehrere Stunden. Hier in Deutschland ist vieles ruhiger und strukturierter. Dass ein Gottesdienst nach einer Stunde beendet ist, hat aber auch Vorteile. Wir müssen lernen, unsere Zeit besser einzuteilen.

Major: Es gibt auch Unterschiede in der kirchlichen Landschaft. In Simbabwe stehen die traditionellen Kirchen zunehmend im Wettbewerb mit den Pfingstkirchen. Dort gibt es viel Musik, Tanz und eine moderne Gestaltung der Gottesdienste. Gerade junge Menschen fühlen sich davon angezogen. Deshalb müssen auch wir überlegen, wie wir unsere Gottesdienste so gestalten, dass sich die nächste Generation angesprochen fühlt.

Was mir hier besonders gefallen hat, war die Beteiligung der Gemeinde. Auch Jugendliche bringen sich ein. Bei einer Predigt durfte ich beispielsweise Fragen beantworten und mich direkt am Gottesdienst beteiligen. Das hat der Predigt einen zusätzlichen Wert gegeben. Wir haben die Gottesdienste hier sehr genossen.

Wie soll sich die Kirchenpartnerschaft zwischen Simbabwe und dem Kirchenkreis Steinfurt-Coesfeld-Borken in Zukunft weiterentwickeln?

Bischof Mhaka: Wir haben gesehen, dass unsere Partnerschaftsvereinbarung (Memorandum of Understanding) grundsätzlich eine gute Grundlage für unsere Zusammenarbeit ist. Allerdings gab es auch Phasen, in denen sie nicht konsequent umgesetzt wurde. Bei einer Neuunterzeichnung sollten wir deshalb einige Punkte aktualisieren und an die aktuellen Gegebenheiten anpassen. Dabei wollen wir nicht nur auf die Geschichte unserer Partnerschaft zurückblicken, sondern vor allem auch unsere heutige Zusammenarbeit und ihre Zukunft in den Blick nehmen.

Major: Die Partnerschaft ist sehr wichtig. Bei unserem Treffen haben wir auf das geschaut, was bereits erreicht wurde, und über die nächsten Schritte gesprochen. Besonders die Unterstützung der Schule in Gurungweni war ein Thema. Durch die Wasserversorgung und Solaranlagen konnten die Lebens- und Arbeitsbedingungen dort bereits verbessert werden. Wir haben auch überlegt, wie wir die Kinder unterstützen können, die teilweise sehr weite Wege zur Schule zurücklegen müssen. Außerdem sollten Themen wie Klimagerechtigkeit stärker in unserer Zusammenarbeit berücksichtigt werden.

Olaf Goos: Wir haben festgestellt, dass unsere Partnerschaft in den vergangenen Jahren viel erreicht hat. Gleichzeitig müssen wir darüber sprechen, wie wir künftig kommunizieren und wer auf welcher Ebene Verantwortung übernimmt. Auch die Frage, was wir mit unseren finanziellen Möglichkeiten realistisch unterstützen können, gehört dazu. Wir wollen die Partnerschaft weiterentwickeln, ohne unrealistische Erwartungen zu wecken.

Was nehmt ihr persönlich aus den zwei Wochen in Deutschland mit nach Hause?

Bischof Mhaka: Ich nehme viel Hoffnung für die Zukunft mit.

Major: Für mich ist vor allem deutlich geworden, dass wir echte Freunde und Partner haben. Menschen, die uns lieben und an unserer Seite stehen. Und ich habe gelernt, dass man Tee auch ohne Zucker trinken kann!

Regai: Die Partnerschaft ist wichtig, und eine gute Kommunikation wird sie stärken. Sie darf nicht nur von einzelnen Personen getragen werden, sondern muss in unseren beiden Kirchen verwurzelt sein. Sie besteht seit vielen Jahren und sollte weiter wachsen.

Major: Wir sind sehr dankbar für alles, was ihr möglich gemacht habt. Auch meine Einreise war zunächst nicht sicher, weil ich beim ersten Versuch kein Visum bekommen habe. Die Verantwortlichen haben sich aber weiter dafür eingesetzt, dass ich doch noch einen Termin bei der Botschaft bekommen konnte. Dafür bin ich sehr dankbar. Wir haben viel gelernt und kehren verändert zurück. Wir sind nicht mehr dieselben Menschen, die vor zwei Wochen hier angekommen sind.

Bischof Mhaka: Und wir möchten euch ermutigen, uns auch weiterhin offen zu sagen, wo wir uns verbessern können. Bei aller Zusammenarbeit ist uns eines besonders wichtig: Diese Partnerschaft lebt nicht vom Geld. Was zählt, ist die Freundschaft und die Verbundenheit zwischen unseren Kirchen. Sie ist wichtiger als finanzielle Unterstützung.

Interview: Maleen Knorr, Öffentlichkeitsreferentin