»Der Herr aber richte eure Herzen aus auf die Liebe Gottes und auf das Warten auf Christus.«   2. Thess. 3,5 – Monatsspruch für November

Liebe Leserin, lieber Leser!


Wenn ich eines hasse, dann ist es Warten. Gut, ich gebe zu, ich gehöre zu den Menschen, die sich die Wartezeit beim Arzt gerne mit Zeitschriften oder dem Smartphone in der Hand verkürzen. Warten ist so wahnsinnig unproduktiv. Was könnte man in der Zeit nicht alles schaffen!

Man kann natürlich auch anders warten: gespannt, mit Vorfreude, erfüllt, zielgerichtet. Wann kommt der erwartete Mensch endlich an? Wann kommt die erlösende Nachricht? Wie lange noch bis zu dem Tag, auf den ich mich gefreut habe?

Dieses Warten ist wohl gemeint, wenn es für uns Christen darum geht, auf Christus zu warten. Wann kommt er wieder, um diese Welt zu erlösen? Um Leid, Tod und Tränen für immer zu beenden?

Im Moment erlebe ich für mich das Warten zwiespältig. Noch rund 60 Tage bis zum Ruhestand. Was erwartet mich da? Was mache ich mit der geschenkten Zeit, die dann im Überfluss da ist? Wie wird es mir gehen mit dem Loslassen, dem Nicht-mehr-gebraucht-Werden? Doch, ich freue mich darauf, Verantwortung und manche Mühsal abgeben zu können. Zugleich fürchte ich die Erfahrung von Leere. Wer bin ich ohne das Amt mit seinen täglichen Anforderungen, die ja auch erfüllt haben?

Ich bin gewiss nicht allein mit solchen Gedanken. Die Spannung durchzieht ja unser ganzes Leben, und sie wird es tun bis zum Ende: Was kommt? Daran erinnert der Monat November mit seiner Ausrichtung auf Vergänglichkeit und Abschied. »Die Blätter fallen, fallen wie von weit…«

Und doch: Bleiben die Herzen ausgerichtet auf die Liebe Gottes und das Warten auf Christus, gehen wir durch Abschiede und Dunkelheit auf das Licht zu – mal mutig, mal ängstlich, mal getrost. Immer im Ver-trauen: ER kommt! Was erwartet uns? Leben! Erfüllte Zeit! Gerade weil alles vergeht. Der Advent ist ja nicht mehr weit…

Herzlich grüßt
Ihr Joachim Anicker


»Lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken.« Hebr. 10,24 – Monatsspruch für Oktober

Liebe Leserinnen und Leser!

Zeitung und Fernsehen stellen in den letzten Monaten immer wieder Menschen vor, die in ganz erstaunlicher Weise uneigennützig anderen helfen.

Da wird ein Monteur, der seinen Jahresurlaub damit verbringt, in den Flutgebieten verschlammte Erntemaschinen wieder flott zu machen, gefragt: „Warum machen Sie das?“ Seine Antwort: „Weil ich es kann. Weil es sich gut anfühlt, den Menschen hier zu helfen. Und vielleicht bringe ich andere auf die gleiche Idee.“
Eine Weinbäuerin steht daneben und weint Tränen der Dankbarkeit. Das berührt mich. Chapeau! denke ich.

Menschen wie er sind eine gute Nachricht für unsere Welt. Nicht nur Hass und Hetze tun ihre verderbliche Wirkung, sondern auch Güte und Großzügigkeit im Helfen, Schenken, aufeinander Achthaben. Es ist wichtig, dass die Medien das „bringen“, gewissermaßen als „Gegengift“ gegen die tägliche Flut von Katastrophen und schlechten Nachrichten. Das Gute, das Menschen tun, spornt auch mich und andere an zu guten Werken.

Egal, wie unsere Regierung demnächst aussieht, es wird eine Hauptaufgabe der Regierenden sein, Menschen zu ermutigen, aufeinander achtzuhaben. Unsere Gesellschaft kann nur funktionieren, wenn wir den Nachbarn im Blick behalten, merken, wo es ihm fehlt: achtsam, solidarisch.

Dass wir das als Christen und als Kirche tun, scheint selbstverständlich. Der Hebräerbrief weist aber darauf hin, dass wir es nicht als „Opfer“ tun müssen, um uns den Himmel zu verdienen. Sondern weil Gott alles längst für uns getan hat, darf unser ganzes Leben dankbare Antwort auf dieses Riesengeschenk sein: Sorg dich um andere, denn für dich ist gesorgt.

Ach, es tut so gut, von der Liebe angespornt zu werden. Ja: es macht glücklich!
Herzlich grüßt
        Ihr Joachim Anicker


»Ihr sät viel und bringt wenig ein; ihr esst und werdet doch nicht satt; ihr trinkt und bleibt doch durstig; ihr kleidet euch, und keinem wird warm; und wer Geld verdient, der legt‘s in einen löchrigen Beutel.« Haggai 1,6 – Monatsspruch für September

Liebe Leserinnen und Leser!

Da langt der Prophet aber ordentlich zu! Ist das Kapitalismuskritik oder ein Appell pro Nachhaltigkeit?  Anprangerung einer sinnentleerten Konsumgesellschaft.

Als 50 Jahre nach einem verlorenen Krieg im Jahre 538 v. Chr. die Heimatvertriebenen aus Babylon  zurückkehrten, fanden sie dort unberührt die Ruine des zerstörten Salomonischen Tempels. Drumherum sah es wohl ähnlich aus wie im Kreis Ahrweiler nach der verheerenden Flut: alles in Trümmern, zerstört, kaputt. Grauenhaft!
Was die zurückgekehrten Judäer damals taten, ist so, als würden heute in den Flutgebieten als erstes die Kirchen wieder aufgebaut. Haggai predigte, dass es nicht reicht, sich wieder schön einzurichten. Er rief in den Ruinen zum Wiederaufbau des Tempels auf: Gott will bei euch wohnen!
Und sie gingen an den Bau des Tempels, als wollten sie sagen: Gott hat uns einen Neuanfang geschenkt! Was nützen uns Wohlstand und Konsum ohne wärmende Mitte, die dem Leben Sinn gibt und uns zusammenhält? Wir wollen keine Stadt ohne Gott. Ihm gebührt der erste Platz!
Klar blieb das damals nicht unwidersprochen. Es gab politischen Streit und einen 16-jährigen Baustopp. Das kennen wir ja heute noch, wenn auch mehr bei Kraftwerken und Windrädern.

Immer geht es um die Grundsatzfrage: Wie wollen wir leben? Kann es uns gutgehen, wenn die Welt buchstäblich den Bach runtergeht? Wem / was räumen wir Priorität ein? Das Geld, das zur Finanzierung all der Folgen unseres verrückten Lebensstils aufgebracht werden muss, zerrinnt uns zwischen den Fingern: löchriger Beutel eben!

Umkehr ist möglich! Heute anzufangen war schon damals eine prophetisch-gute Idee.

Herzlich grüßt Ihr Joachim Anicker