Rund 30 Menschen haben am 19. September bei einem besonderen Gottesdienst auf der Wiese neben der Arche in Saerbeck Platz genommen. „Bibel, Bier und Bratwurst“ heißt das Format, das seit vier Jahren im Kooperationsraum Emsdetten, Greven und Nordwalde-Altenberge stattfindet. Diesmal ging es um das Thema „Klagen nützt ja nix“.
Bierbank statt Kirchenbank
Statt Kirchenbänken standen Bierbänke auf der Wiese. Die Teilnehmenden konnten zwischendurch aufstehen, sich ein Getränk holen, mitsingen und miteinander ins Gespräch kommen. Musikalisch wurde der Gottesdienst von einer Band aus der Gemeinde Emsdetten gestaltet. Für die Wortbeiträge sorgten die Ehrenamtlichen Claudia Schäffer und Doreen Schröter, Jugendreferentin Frederike Holtmann und Pfarrerin Janine Veit.
Zum Auftakt wurde es gleich praktisch: Die Teilnehmenden stellten sich auf und rückten bei jeder vorgelesenen Aussage einen Tisch weiter nach vorn. „Ich habe mich in den letzten Tagen über das Wetter geärgert.“ „Ich habe mich über Freunde aufgeregt.“ Oder: „Ich habe mich aufgeregt, weil ich nicht so viel Anerkennung bekomme wie andere.“ Bei manchen Aussagen wurde gelacht, bei anderen nickten die Teilnehmenden zustimmend. Anschließend tauschten sie sich in kleinen Gruppen darüber aus.
Farbenfrohes Klagenbild mit Janine Veit
„Wann wird aus einer Beschwerde eine Klage?“, fragte Pfarrerin Janine Veit. „Wir klagen viel: über das Wetter, über Familie, Schule, Arbeit und Freunde. Manchmal muss auch etwas raus. Es ist wichtig, dass jemand anderes es hört und sagt: Mir geht es auch so.“
Doch Klagen kann auch zum Dauerzustand werden. „Eigentlich wollen wir die Sache loswerden, tragen sie dann aber manchmal trotzdem noch lange mit uns herum“, sagte Veit. „Hilft es uns eigentlich zu klagen? Kommen wir da wirklich einen Schritt weiter oder bleiben wir doch auf der Stelle stehen?“
Wut und Verzweiflung bräuchten manchmal einen Ort, an dem sie Raum bekommen, erklärte die Pfarrerin. Manche Menschen machten Sport, andere schrieben, schrien oder würden kreativ. Und so wurde es im Gottesdienst anschließend bunt: Die Teilnehmenden konnten Farbbomben auf eine weiße Leinwand werfen – als symbolischen Ausdruck für alles, was sie belastet und was einmal raus muss. Es entstand ein farbenfrohes Klagebild, das Veit anschließend mit Goldglitzer veredelte.
Vom Klagen bis zum Freudentanz
Dazu griff sie einen Gedanken aus Psalm 30 auf: „Du hast meine Klage in einen Freudentanz verwandelt.“ Feit erklärte: „Wenn wir unsere Klage vor Gott bringen, dann wird etwas verwandelt, etwas verändert. Es gibt so viel Gutes: Musik, Sonne, Zeit mit Freunden, Momente, in denen uns etwas gelingt, Kinder, die lachen.“
Gott nehme nicht einfach alle Klagen weg, sagte Veit. „Aber er kann unsere Klage in einen Tanz verwandeln. Wir können Gott unsere Klagen hinwerfen, wir können ihm aber auch das Gute sagen. Denn Gutes gibt es überall – auch in allem Schlechten.“ Gerade wenn vieles schwer sei, könne es helfen, auch nach dem zu schauen, wofür man dankbar sein könne.
Zum Abschluss wurde das Format seinem Namen noch einmal gerecht: Bei Bratwurst und Getränken blieben die Teilnehmenden noch lange an den Bierbänken sitzen und kamen miteinander ins Gespräch. So wurde aus einem Gottesdienst über das Klagen ein gemeinsamer Abend, bei dem neben der Klage auch viel gelacht, gesungen und Gemeinschaft erlebt wurde.


