Gäste aus Gesellschaft, Politik und Kirche verabschiedeten am 24. April Susanne Falcke, Superintendentin des Kirchenkreises Steinfurt-Coesfeld-Borken. Vier Jahre lang war die Theologin hier leitend aktiv und führte durch eine weltpolitisch und innerkirchlich bewegte Zeit. Während eines Gottesdienstes in der Evangelischen Großen Kirche Burgsteinfurt würdigte Oberkirchenrätin Katrin Göckenjan-Wessel die Verdienste der scheidenden Superintendentin und entpflichtete sie von ihrer Verantwortung gegenüber dem Kirchenkreis. Falcke übernimmt ab dem 1. Mai in Bielefeld das Amt der Theologischen Vizepräsidentin der Evangelischen Kirche von Westfalen.
Pfarrer Hans-Peter Marker von der Kirchengemeinde Burgsteinfurt begrüßte die im Gotteshaus zahlreich erschienenen Gäste. „Heute ist uns nicht nach Jubeln, weil wir uns verabschieden“, betonte Pfarrer und Synodalassessor Axel Gehrmann von der Evangelischen Kirchengemeinde Bocholt, „verabschieden von Dir, liebe Susanne, die du nun an einen Ort gehst, den es nicht gibt.“ Damit spielte er auf die satirische Verschwörungstheorie aus dem Jahr 1994 an, nach der die Stadt Bielefeld nicht existiert.
Raphaela Buhl vom Sekretariat der Superintendentur und Öffentlichkeitsreferentin Maleen Knorr lasen aus der Heiligen Schrift, Johannes 15, 1-8. Eine Textstelle, die Susanne Falcke im Einklang mit ihrer Predigt aussuchte: „Jesus Christus spricht: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ Die scheidende Superintendentin blickte auf Stationen ihres Wirkens zurück. Das tat sie humorig, so wie es ihre Art ist. Vor viereinhalb Jahren wurde sie in der Großen Kirche in ihr Amt gewählt. „Es war durchaus ein Krimi“, erinnerte sie, „nicht erst bei den vielen Wahlgängen, sondern auch schon vorher.“ Während ein Kollege drinnen seine Rede hielt, saß sie brav bei Sonnenschein draußen vor der Tür, wartete auf ihren Einsatz und versuchte, sich etwas zu entspannen. Doch das war zum Scheitern verurteilt, denn plötzlich sah sie sich von einer Touristenschar umringt. Sie bestanden darauf, von der Theologin die Erlaubnis zu erhalten, genau zu diesem Zeitpunkt zwecks Besichtigung die Kirche betreten zu dürfen. „Wie so manches Mal in meinem Leben fragte ich mich: Wo ist hier die versteckte Kamera?“
Susanne Falcke selbst erinnerte unter anderem an ihre Amtseinführung, bei der im Januar 2022 noch strenge Corona-Disziplin herrschte. Sie berichtete von „kleinen Patzern“, die auch ihr mal unterliefen oder auch vom Ehrenamtsfest im September 2024 mit knapp 300 Teilnehmern. Wohl ihre schönste Erinnerung. „Zum einen sind wir als Kirche ja letztlich ein Dorf und vermutlich laufen wir einander schneller wieder über den Weg, als Sie es jetzt glauben“, sagte sie. „Zum anderen habe ich auch in Zukunft noch einen Koffer hier im Münsterland und die Verbindung reißt nicht ab und zum dritten und Wichtigsten: „Wir bleiben verbunden, verbunden in dem einen Herrn, wir sind und bleiben connected in ihm.“ Wurzeln und Flügel brauche der Mensch. „In Christus verwurzelt, in ihm bleibend, wachsen uns neue Kräfte zu.“
„Ihre Amtszeit als Superintendentin war ein eindrucksvoller Flow“, hob Oberkirchenrätin Göckenjan-Wessel hervor. „Sie haben viel bewirkt.“ Vertrauen und Zusammenarbeit im Kirchenkreis seien gewachsen. „Ja, ich habe Dampf gemacht“, sagte Susanne Falcke mit einem Augenzwinkern. Die Oberkirchenrätin fasste bedeutende Stationen zusammen. Unter Falckes Leitung wurden die Kirchengemeinden zu sechs Kooperationsräumen zusammengeführt. In Gronau ist nun das erste interprofessionelle Pastoralteam aktiv, die Evangelische Jugend ist mit dem Jugend- und Bildungswerk im Kirchenkreis Münster vereint und mehr. „Liebe Susanne Falcke, nicht alles im Dienst einer Superintendentin liegt vor Augen, Vieles geschieht im Verborgenen“, so Göckenjan-Wessel. „Und doch können die Früchte deines Wirkens wahrgenommen werden, dafür sind wir dankbar.“
Schließlich endete der Gottesdienst mit der Entpflichtung der Superintendentin. „Mit deiner Berufung zur Theologischen Vizepräsidentin der Evangelischen Kirche von Westfalen übernimmst du neue Aufgaben“, sagte die Oberkirchenrätin, „dafür geben wir dich frei von den dienstlichen Verpflichtungen in diesem Kirchenkreis.“ Göckenjan-Wessel und zahlreiche Votanden legten Falcke die Hände auf und spendeten Segen. Ihre Wertschätzung drückten in Grußworten die Superintendenten-Kollegen Holger Erdmann und André Ost sowie Kreisdechant Jörg Hagemann aus. Für musikalische Untermalung sorgten ein von Kantorin Simone Schnaars zusammengestellter Projektchor und die Gemeindeband. Schnaars spielte überdies die Orgel. Harmonisch klang die Verabschiedung mit einem geselligen Beisammensein aus.
Text: R. Nix




