Seelennahrung Impuls für jeden Monat

Der Impuls von Februar stammt von Pfarrer Ralf Gross, Geistlicher Begleiter, Borken

Lebensspuren - Die Sonne ist doch da!

Ich freue mich, die Februarsonne ist schon länger über dem Horizont zu spüren als zu Weihnachten. 
Das tut gut. Noch dauert es, bis der Frühling da ist. Die Sehnsucht nach den warmen langen Tagen hat aber schon mehr Nahrung bekommen.

Klar, für unser Wohlbefinden spielen noch ganz andere Faktoren eine Rolle. Habe ich einen Arbeitsplatz, an den ich gerne gehe? Bin ich gerne in Gesellschaft oder lieber allein? Gibt es Menschen, denen ich mich anvertrauen kann? Was oder wer sonst gibt mir Kraft?
Es kann uns selbstverständlich an Tagen, an denen die Sonne scheint, mal gut und mal schlecht gehen. Es kann uns an Regentagen mal schlecht und mal gut gehen.

Ein Blick auf ein Foto aus meinem letzten Urlaub lässt mich die Sonne wieder spüren, die durch das Blätterwerk eines alten starken Baumes auf einem alten Dorfplatz scheint.

Ich staune aus zweierlei Gründen. 
1.) Wer hat eine Laterne an den Baum angebracht? Der Baum wurde verletzt. 
2.) Der Baum wächst über sich hinaus. Die Rinde wuchert und hat in einem langsamen Prozess angefangen, die Wunde zu schließen und den Fremdkörper ins eigene Leben zu integrieren.

Die Natur holt sich ihren Platz zurück. Das ist stark. Der Baum hat deutliche Spuren des Lebens, ist vital. 
Wer hätte nicht gern so viel Widerstands- und Heilkraft?
Es gibt Tage, da spüre ich in mir die Kraft, und Tage, an denen ich sie vermisse.

Der alte Baum macht mir Mut, darauf zu vertrauen, dass diese Kraft auch in mir am Werke ist und in jedem Einzelnen von uns mehr Kraft da ist als vermutet. Woher kommt mir diese Kraft und Zuversicht? Sind es Selbstheilungskräfte oder ist Gott am Werke? Diese Gedanken kamen mir. Womöglich ist es beides.
Für den Baum und für die Beleuchtung des Platzes wünschte ich mir, dass die verantwortlichen Menschen den Standort der Laterne etwas versetzten und den Baum erhalten.

Und auch für uns gilt: So sehr ich auf Gott vertraue, könnten wir mit etwas mehr Aufmerksamkeit für Dinge und Menschen um uns herum so viel mehr erreichen. Wenn es uns mal nicht so gut geht, brauchen wir weder gleichgültiges Aneinander-Vorbeigehen noch Mitleid oder einen Spruch wie: „Du bist ja stark!“ ohne gleichzeitige echte Hilfe.

Und dennoch: Ich bewundere diesen starken Baum schon, seitdem ich ihn das erste Mal sah. Und ich möchte es ihm gleichtun, in meine Kraft zu gehen, egal, was für Tage kommen. Er weckt in mir das Vertrauen in Gott und ins Leben, wie es der biblische Monatsspruch für Februar ausdrückt:

Psalm 16,11 (Basis-Bibel): 
„Du zeigst mir den Weg zum Leben. Große Freude finde ich in deiner Gegenwart und Glück an deiner Seite für immer.“ 
Die Sonne ist doch da!