Die Evangelische Kirchengemeinde Emsdetten hat die Aufgabe der Martin-Luther-Kirche an der Neubrückenstraße beschlossen. Das teilte die Kirchengemeinde am 21. Mai auf einer Gemeindeversammlung mit. Hintergrund sind vor allem die veränderten personellen und strukturellen Rahmenbedingungen, die sich insbesondere nach dem Eintritt von Pfarrer Rainer Schröder in den Ruhestand im März 2027 ergeben werden.
Für die evangelischen Christinnen und Christen in Emsdetten bedeutet dies jedoch nicht das Ende des Gemeindelebens vor Ort. Mit der Gustav-Adolf-Kirche an der Kirchstraße in zentraler Innenstadtlage sowie dem Gemeindezentrum Arche in Saerbeck bleiben weiterhin ausreichend Räume für Gottesdienste, Gruppen und Veranstaltungen erhalten.
Bereits 2006 hatte das Presbyterium beschlossen, dass die laufenden Kosten der Martin-Luther-Kirche durch Spenden und Mieteinnahmen gedeckt werden müssen. „Das ist über viele Jahre gelungen“, sagt Projektleiter und Presbyter Reidar Jensen. Bei einer Baubegehung in diesem Jahr seien jedoch Mängel festgestellt worden. Zudem wäre mit Blick auf das Ziel der Klimaneutralität mittelfristig eine grundlegende Sanierung des Gebäudes erforderlich. Hinzu komme, so Pfarrer Rainer Schröder, dass durch den Rückgang der Gemeindemitglieder zum einen weniger Geld zur Verfügung stehe, zum anderen aber auch weniger Räume benötigt werden.
Geplant ist, den Gebäudekomplex, zu dem neben der Kirche auch das Pfarrhaus gehört, in dem Rainer Schröder wohnt, künftig im Erbbaurecht zu vergeben. „Die Einnahmen aus einem Erbpachtvertrag könnten dann wieder unmittelbar der Gemeindearbeit zugutekommen“, so Schröder.
Nach seiner Pensionierung im kommenden Jahr werde keine neue Pfarrperson in Emsdetten starten, machte Pfarrerin Gudrun Bamberg deutlich. Stattdessen soll die pastorale Arbeit gemeinsam im Kooperationsraum organisiert werden, was in Teilen schon jetzt der Fall ist. Zum Kooperationsraum gehören neben Emsdetten die Kirchengemeinden Nordwalde-Altenberge und Greven. Ergänzt werden soll das vorhandene pastorale Team, das aus den Pfarrerinnen Gudrun Bamberg und Janine Veith sowie den Pfarrern Jörn Witthinrich und Christoph von Engelhardt besteht, künftig durch eine Diakonin oder einen Gemeindepädagogen.
Die Martin-Luther-Kirche wurde 1953 eingeweiht. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Zahl der evangelischen Christen in Emsdetten durch Flüchtlinge, Vertriebene und Arbeitskräfte der aufstrebenden Juteindustrie stark gewachsen. Neben der Gustav-Adolf-Kirche entstand deshalb ein weiteres Gemeindezentrum mit Kirche, Gemeinderäumen und Küsterwohnung. Über Jahrzehnte war die Martin-Luther-Kirche ein lebendiger Ort des Gemeindelebens – mit Gottesdiensten, Jugendarbeit, Musik, Festen und sozialen Angeboten.
Presbyter Reidar Jensen wirbt um Verständnis für die Entscheidung: „Uns ist bewusst, dass viele Menschen mit der Martin-Luther-Kirche persönliche Erinnerungen verbinden. Gerade deshalb ist uns wichtig, offen über die Gründe zu sprechen und den Wandel gemeinsam zu gestalten.“

