Was bleibt? Bleibt irgendetwas?

Immer mal im Leben habe ich von Kirchengebäuden Abschied genommen: Als ich zur Ausbildung bei meinen Eltern auszog und in eine andere Stadt kam, durch Umzüge während des Studiums und Referendariats und beim Beginn der ersten festen Stelle in Ahaus. Meistens blieben die Gebäude, nur ich zog weiter.

Inzwischen ist das eine oder andere Gemeindehaus in Gemeinden, wo ich als Ehrenamtliche aktiv war, abgerissen, nur von Kirchen musste ich mich bisher noch nicht verabschieden, das ist das erste Mal. Die Gnadenkirche in Legden und die Magdalenenkirche in Heek – nach Münsterland-Maßstäben sicher eher Kapellen – werden zum Juni 2026 entwidmet.

Und da ist soviel Traurigkeit. So viele Erinnerungen, schöne und schwere Erfahrungen: Taufen, Hochzeiten, Kinderbibeltage, Konfirmationen, Weihnachten, Ostern, Taizeandachten und unzählige andere Gottesdienste habe ich dort erlebt. Aber auch den einen oder anderen schweren Abschied von Menschen.

Mir hilft es auch nichts, dass es ja irgendwie irgendwo weitergeht. 
Dass irgendwas bleibt. 
Dass Gott ja gar kein Haus braucht … 
Irgendwann werde ich das sicher auch so sehen können. 
Aber jetzt bin ich einfach nur traurig.

 

Habt ihr auch schon Erfahrungen mit der Aufgabe von Kirchen? 
Wie habt ihr das erlebt? 

Schreibt mir gern. 
simone.erdweg@ekvw.de


Klagelied über verlorene Räume

Wo soll ich Dich loben, Gott?
Wo ist meine Gemeinschaft –
wo meine Kirche?

Wo soll ich Dich loben,
wenn sich die Türen verschliessen, 
wenn die Stimmen in diesen Räumen verstummen?

Die gemeinsamen Gottesdienste fehlen mir.
Es fehlt mir, zu wissen,
auch wenn ich nur vorbeigehe:
Dort wirst du angebetet.
In diesem Raum.
In diesen Klängen.

Die Erinnerungen haben keinen sichtbaren Platz mehr.
Meine Seele dürstet –
nach Gemeinschaft,
nach Lachen, nach Gebet,
nach Predigten,
nach Leben in diesen Kirchräumen.

Dieses Leben geht verloren.
Vertröstet werde ich aufs stille Kämmerlein.
wo dich doch jeder anbeten könne.

Meine Seele schreit nach Dir –
in Gemeinschaft.

Seit Jahren und Jahrzehnten
kommen immer wieder Menschen
Dich zu loben im Haus Gottes.

Die Lieder fallen in mein Herz –
mit immer weniger Stimmen.
Die Predigten berühren mich –
immer seltener.
Wo ist Dein Platz, Gott – bei uns?

Wenn ich allein bete,
vergesse ich Dich manchmal.
Im Alltag.
Im Lärm.
Im Einerlei.

Du willst Gemeinschaft.
Du willst Leben.
Und meine Seele trauert –
um Begegnungen,
um Räume,
um das gemeinsame Klagen und Feiern,
Lachen und Weinen.

Wegrationalisiert. Zu teuer.
Die Kirche war auch mein Platz.
Und ich weiß es doch: Auch deiner.
Unser Raum.

Ich weiß:
Du schaffst Familie neu.
In der Krippe.
Mit Hirten und Weisen.
Bei deinen Predigten. Bei deinem Heilen.
Beim Essen und beim Teilen.
Am Kreuz, als Du sagtest:
Frau, sieh, dies ist Dein Kind.
und zu Johannes: Sieh, dies ist Deine Mutter.“

Du schaffst Familie immer neu.
Beziehungen. Ein Miteinander.

Du sagst:
„Ich bin bei Euch in der Klage.
Ich bin bei Euch in der Not.
Ich bin bei Euch alle Tage.“

Du bist da –
auch wenn ich Dich nicht spüre.

Und doch braucht es Zeit –
die Zeit für Wandel - und
diese Gebäude
zu Grabe zu tragen.