Die Evangelische Kirchengemeinde Dülmen hat beschlossen, ihren Friedhof zum 1. Januar 2030 zu schließen. Diese Entscheidung wurde vom Presbyterium, dem gewählten Leitungsgremium der Gemeinde, getroffen.
Pfarrer Gerd Oevermann betont, dass dieser Schritt der Gemeinde schwerfällt: „Diese Entscheidung ist uns alles andere als leichtgefallen. Viele Menschen verbinden mit unserem Friedhof persönliche Erinnerungen und eine lange Familiengeschichte. Es ist uns bewusst, welche Bedeutung dieser Ort für viele hat.“
Bis einschließlich Dezember 2029 bleiben Bestattungen auf dem Evangelischen Friedhof weiterhin möglich. Auch über den Zeitpunkt der Schließung hinaus bleibt der Friedhof für mindestens 30 Jahre öffentlich zugänglich und wird weiterhin durch die Kirchengemeinde gepflegt. Er soll dauerhaft ein Ort des Gedenkens für Angehörige und Besucherinnen und Besucher bleiben. „Uns ist sehr wichtig, dass dieser Ort nicht verschwindet“, so Oevermann weiter. „Der Friedhof bleibt auch nach der Schließung ein würdevoller Raum des Erinnerns, den wir als Gemeinde weiterhin sorgfältig pflegen werden.“
Hintergrund der Entscheidung sind wirtschaftliche Gründe. Der vergleichsweise kleine Friedhof mit rund 900 Grabstellen verzeichnet im Durchschnitt nur etwa 15 Bestattungen pro Jahr. Nach den geltenden kirchlichen Vorgaben müssen Friedhöfe kostendeckend betrieben werden. Das bedeutet, dass die laufenden Ausgaben vollständig durch Einnahmen aus Grabnutzungsgebühren gedeckt sein müssen. Da dies auf dem Evangelischen Friedhof nicht mehr gewährleistet ist und Kirchensteuermittel nicht für den Friedhofsbetrieb eingesetzt werden dürfen, sieht sich die Kirchengemeinde zu diesem Schritt gezwungen. „Wir hätten uns sehr gewünscht, den Friedhof dauerhaft erhalten zu können“, sagt Oevermann. „Doch unter den Rahmenbedingungen bleibt uns leider keine andere Möglichkeit.“
Für Nutzungsberechtigte von Grabstätten ergeben sich folgende Regelungen: Bestehen zum Zeitpunkt der Schließung am 1. Januar 2030 noch laufende Nutzungsrechte, können diese widerrufen werden. In diesem Fall besteht Anspruch auf eine anteilige Erstattung der noch nicht in Anspruch genommenen Gebühren. Ein Widerruf ist auf Wunsch auch bereits vor diesem Zeitpunkt möglich.
Die Kirchengemeinde ist sich bewusst, dass viele Menschen eine enge persönliche Bindung zu dem Friedhof haben, der über Generationen hinweg Teil des Gemeindelebens war. Entsprechend möchte sie die Betroffenen umfassend informieren und begleiten.
Zur Klärung offener Fragen lädt die Evangelische Kirchengemeinde Dülmen zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung ein: Dienstag, 16. Juni 2026, um 18:30 Uhr im Gemeindezentrum, Königswall 5.
Darüber hinaus steht Pfarrer Gerd Oevermann für persönliche Gespräche zur Verfügung: 02594-85151 / gerd.oevermann@ekvw.de
Hintergrundinformation
Der Evangelische Friedhof an der Straße Am Bache wurde im Jahr 1898 eingeweiht. Der Friedhof wurde in den darauffolgenden Jahren immer wieder vervollständigt und umgestaltet. So errichtete man 1907 eine Betonmauer um den Friedhof, die beim Bombenangriff auf Dülmen 1945 fast vollständig zerstört wurde. Die Reste wurden 1979 abgetragen und der Friedhof durch einen Zaun begrenzt.
In Erinnerung an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Gemeindemitglieder wurde am Totensonntag 1921 ein Ehrenmal auf dem Friedhof aufgestellt. Auf der rechten Seite des Ehrenmals ruhen 21 Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg und auf der linken Seite sieben Gefallene aus dem Zweiten Weltkrieg.
In den Jahrzehnten nach dem Krieg wuchs die Gemeinde und der Friedhof war mitunter zu klein. Durch die Veränderungen in der Bestattungskultur ab den 2000er Jahren – mehr Urnengräber, die weniger Platz beanspruchen –, den Rückgang der Gemeindemitgliederzahlen und die Tatsache, dass sich die meisten evangelischen Christen auf dem Waldfriedhof bestatten lassen, ist die Fläche des Friedhofs heute zu groß.
Anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Friedhofs 1996 wurde der Friedhof unter ökologischen Gesichtspunkten umgestaltet. 2011 wurden die Hauptwege gepflastert und der Platz vor dem Kreuz neu angelegt.
Seit 2019 trägt der Friedhof das Siegel „Ort der Hoffnung“ der Evangelische Kirche von Westfalen. Mit dieser Initiative soll stärker ins Bewusstsein rücken, wofür evangelische Friedhöfe stehen: sie sind Orte des gelebten Glaubens und der Hoffnung. Im Rahmen der Initiative wurden 2021 vier „Bäume der Hoffnung“ aus Spendengeldern gepflanzt.

