Pressemitteilung Kirchenkreis Steinfurt Coesfeld Borken

Abschiedsinterview mit Susanne Falcke

Rückblick und Ausblick nach vier Jahren im Kirchenkreis

Susanne Falcke kurz nach ihrem Amtsantritt im Jahr 2022 (l.) und im Februar 2026.

Nach vier Jahren Amtszeit verlässt Superintendentin Susanne Falcke den Kirchenkreis Richtung Bielefeld. Am 1. Mai startet sie dort als Theologische Vizepräsidenten der Evangelischen Kirche von Westfalen.

Im Abschiedsinterview blickt sie auf Flow-Momente und Erschöpfung in vier spannenden Jahren als leitende Theologin zurück und wagt einen Ausblick, auf das, was sie als theologische Vizepräsidentin der Evangelischen Kirche von Westfalen erwartet.

 

Vier Jahre lang haben Sie den Kirchenkreis als Theologin geleitet – eine bewegte Zeit, geprägt durch die politische Weltlage und innerkirchlichen Herausforderungen. Unter Ihrer Leitung wurden die Kirchengemeinden zu sechs Kooperationsräumen zusammengeschlossen, das erste Interprofessionelle Pastoralteam in Gronau eingeführt und die Evangelische Jugend mit dem Jugend- und Bildungswerk im Kirchenkreis Münster zusammengeführt. Gleichzeitig mussten erste Gemeinden ein Haushaltssicherungskonzept beschließen und Gebäude aufgeben. Zudem fiel in Ihre Amtszeit die Veröffentlichung der Forum-Studie, die das Ausmaß sexualisierter Gewalt in Evangelischer Kirche und Diakonie aufzeigte.

Welches Thema war für Sie besonders wichtig?

Falcke: Ich meine, dass wir in diesen Jahren immer mehr zusammengewachsen sind: Es vergemeinschaftete sich mehr und mehr die Einsicht, dass wir, ergänzend zur Präsenz vor Ort eine übergemeindliche Zusammenarbeit und auch Zusammenhalt brauchen, um auch in Zukunft noch arbeitsfähig zu bleiben. Diese regionale Erweiterung stößt nicht unbedingt überall auf helle Begeisterung, und dennoch erlebe ich an vielen Stellen einen neuen Schwung und auch Freude an neuen Gesichtern durch diese regionale Note.

Mit welchen Erwartungen sind Sie vor vier Jahren gestartet – und was hat sich anders entwickelt als gedacht?
Ich habe ein deutliches Mehr an konstruktivem Miteinander erlebt als erhofft. Auch das Ebenen-Spiel von „denen da oben versus wir hier unten“ wird inzwischen deutlich weniger gespielt als noch vor 10 oder 15 Jahren. Auf der anderen Seite erlebe ich natürlich auch viel und große Erschöpfung, weil man niemals fertig ist in diesem steten Wandel. Umso wichtiger ist es, sich immer neu auf den wesentlichen Grund unseres „Kirche-Seins“ zu besinnen. „Was ist dein einziger Halt im Leben und im Sterben?“ fragt der Heidelberger Katechismus in seiner ersten Frage: Dass wir nicht uns, sondern Gott gehören und in seiner Hand sind und bleiben, komme, was wolle, das ist der Grund, warum wir glauben und uns als Glaubende miteinander verbinden und Kirche bilden.


Wo sehen Sie den Kirchenkreis heute gut aufgestellt – und wo bleiben Baustellen?
Ich bin sehr froh, dass wir seit Anfang dieses Jahres die Finanzierung des pastoralen Dienstes vergemeinschaftet haben: Das ist eine gute Basis für die Zukunft. Ich bin auch froh, dass wir gut unterwegs sind in Richtung gemeinsames Amt für Jugend mit dem Kirchenkreis Münster. Und besondere Hoffnung setze ich auf den oder die neue Popkantor:in. Ich hoffe, dass die laufende Ausschreibung zu gutem Erfolg führt und wir bald musikalisch-frische Impulse bekommen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Kirchenkreises?
Dieser Kirchenkreis ist von einer grundsätzlichen Herzlichkeit und Verbindlichkeit im Miteinander geprägt: Diese Grundatmosphäre hier werde ich sehr vermissen. Ich hoffe, dass der vorhandene Schwung junge Menschen im Haupt- und Ehrenamt anlockt, hier mitzumischen!

Nun wechseln Sie zur Landeskirche nach Bielefeld und werden dort die Zukunft der Evangelischen Kirche mitprägen. Worauf freuen Sie sich?
Ich bin der festen Überzeugung, dass wir in einigen großen Themen unserer Kirche eine Vergemeinschaftung im weiteren Vorgehen brauchen: Mich in diesen Prozessen mit Elan einzubringen und, wo nötig, voranzubringen, darauf habe ich große Lust.

Was nehmen Sie aus Ihrer Zeit im Kirchenkreis mit in die neue Aufgabe?
Dass es auf das richtige Story-Telling ankommt. Wir sind als Kirche keine Konkurs-Gesellschaft am Rande des Abgrundes. Wir sind vielmehr Menschen, die von Gott so viel geschenkt bekommen haben und denen viel zugetraut wird: Und indem wir das beherzigen, entsteht belebender Flow: Ich habe sehr viele Flow-Momente in den vergangenen Jahren erlebt.

Worauf setzen Sie Ihre Hoffnung für die Zukunft der Kirche
Dass Gott keine tote Theorie ist, sondern da und wirklich erfahrbar ist und in und mit und durch uns wirklich Neues möglich macht - ganz gemäß der aktuellen Jahreslosung.