Eine gute Gelegenheit zur Diskussion und zum Austausch bot jetzt die Gemeinsame Pfarrkonferenz der drei Münsterland-Kirchenkreise im Gestaltungsraum I. Diesmal fand die Veranstaltung im Gemeindezentrum blick.punkt in Ibbenbüren statt. Superintendent André Ost (Kirchenkreis Tecklenburg) stellte zu Beginn den biblischen Wochenspruch „Heute, wenn ihr seine Stimme hört, so verstockt eure Herzen nicht!“ aus Hebräer 3,15 in den Mittelpunkt seiner Andacht in der Christuskirche. Kreiskantor Christian Schauerte setzte die musikalischen Akzente.
„Super, dass wir heute so eine große Runde sind,“ begrüßte anschließend Superintendent Holger Erdmann (Kirchenkreis Münster) die knapp sechzig Pfarrerinnen und Pfarrer nach dem Ortswechsel ins Gemeindezentrum. „Dies zeigt, dass wir mit der Revision der westfälischen Kirchenordnung mit einem wichtigen Thema unterwegs sind. Wir haben die Chance, mitzuwirken und unsere Impulse einzugeben.“ Vor dem Hintergrund, dass die geltende Kirchenordnung der Ev. Kirche von Westfalen inzwischen über 70 Jahre alt ist, sei dies ein besonderes Privileg, das hoffentlich mit Freude verbunden sei.
Prozess und Ziele der KO-Revision
Pfarrerin i. R. Jutta Beldermann informierte die Pfarrerinnen und Pfarrer über die Intention und den bisherigen Prozess der Revision der Kirchenordnung (KO). Sie war bis zu ihrem Eintritt in den Ruhestand in der Diakon*innenausbildung in Bielefeld-Bethel sowie als stellvertretende Generalsekretärin der Region Deutschland für die Vereinte Evangelische Mission (VEM) tätig. Sie wirkt gemeinsam mit Landeskirchenrat Dr. Hans-Tjabert Conring im Redaktionsteam der KO-Revision mit. „Die Kirchenordnung von 1953 passt nicht mehr zu den rasanten Entwicklungen im Heute“, führte sie aus. Es habe sich vieles verändert. Seit 2023 arbeitet eine achtköpfige Steuerungsgruppe an der Revision der Kirchenordnung. „Ziele dieser Revision sollen sein, dass sich die Ordnung am theologischen Auftrag orientiert, die Verfassungswirklichkeit berücksichtigt und Zukunftssicherheit ermöglicht. Sprachlich soll sie anschlussfähig sein“, unterstrich Jutta Beldermann. Viele Regellungen der alten KO seien heute nicht mehr tragfähig. Diese KO-Revision entstehe unter Beteiligung verschiedener kirchlicher Berufsgruppen. „Es gibt seit 2025 Synodalformate“, berichtete die Referentin. Die Entwürfe würden vorgestellt und diskutiert. „Wir sind dankbar für jede Rückmeldung.“ Der Redaktionskreis hoffe, dass er der Landessynode im November 2026 eine Revisionsfassung zur Beratung vorlegen könne. Für 2027 seien Beratung und Beschlussfassung der KO-Revision geplant. Wenn der Zeitplan eingehalten werde, könne die neue Kirchenordnung ab 2028 in Kraft treten.
Mehr Freiheit und neue Verantwortungsstrukturen
Während die jetzige Kirchenordnung sehr streng sei, sei die revidierte Fassung von den Gedanken einer größeren Freiheit und der Delegation von Verantwortung geprägt, so Beldermann. Das Motto laute Leitungsverantwortung mit Risikoeinschätzung. Die Verantwortung solle zukünftig stärker regio-lokal verortet sein. Das Landeskirchenamt werde eher eine Beratungsfunktion einnehmen. Formen sollten so gestaltet werden, dass sie der Funktion entsprächen (form follows function). “Die Personalentwicklung in der Kirche wird sich verschärfen. Es wird in nächster Zeit viel in Bewegung sein“, betonte die Referentin. Die jetzige KO knüpfe weitgehend an den Pfarrberuf an. Die revidierte KO werde den Fokus auf die Frage legen: Wen beauftragt die Kirche womit? „Wir müssen sehen, dass wieder Quereinstiege möglich werden. Das Zusammenwirken der Berufsgruppen nimmt Fahrt auf“, so Jutta Beldermann. Zentral sei der Gedanke der geistlichen Dienste, von denen alles ausgehe. In einer intensiven Diskussion befassten sich die Theolog*innen mit Fragen der Beauftragung, der Ordination und der Einsegnung in verschiedene kirchliche Dienste.
In Kleingruppen hatten sie Gelegenheit, sich mit einzelnen Artikeln des Entwurfstextes zu befassen, Ergänzungen oder Änderungen zu entwickeln und darüber im Plenum ins Gespräch zu kommen. „Wir waren heute Werkstatt und müssen nicht bereits die fertige neue Kirchenordnung entwickeln. Danke fürs Mitwirken“, so Superintendent Holger Erdmann abschließend. Superintendentin Susanne Falcke (Kirchenkreis Steinfurt-Coesfeld-Borken) meinte an Jutta Beldermann gerichtet: „Danke für das Mithineinnehmen in die Dynamik der Kirchenordnung.“
Weitere Informationen
Alle Informationen zur Revision der Kirchenordnung sind auf der Onlineplattform
https://www.zukunftsgestalten.jetzt/revision-der-kirchenordnung/
zu finden.
Bericht: Christine Fernkorn

