„Wir können nicht nur schöne Abschiede feiern, sondern auch Einführungen“, rief Guido Meyer-Wirsching, Pfarrer der Kirchengemeinde Burgsteinfurt, zur Begrüßung am Erntedanksonntag in der Großen Kirche. Damit erinnerte er an die Abschiede von Superintendentin Susanne Falcke und Pfarrer Hans-Peter Marker, die in diesem Jahr gefeiert worden waren. Nun gab es wieder einen freudigen Anlass: Imke Philipps wurde als neue Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Steinfurt-Coesfeld-Borken feierlich eingeführt.
Zahlreiche Gäste aus Politik und Ökumene waren zu diesem Anlass nach Burgsteinfurt gekommen. Unter ihnen war auch der Bischof der Ost-Diözese der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Simbabwe, Dr. Vushebwashe Mhaka, der mit einer kleinen Delegation zu Gast im Kirchenkreis ist. Für die musikalische Gestaltung sorgte eine eigens für den Anlass zusammengestellte Kirchenkreis-Band mit Popkantorin Christina Golldack sowie Pfarrern und einem Diakon aus dem Kirchenkreis. Kantorin Simone Schnaars steuerte an der Orgel die festlichen Klänge bei.
„Imke Philipps ist für diese Aufgabe wie geschaffen“
Die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Dr. Adelheid Ruck-Schröder, erinnerte in ihrer Ansprache daran, dass die Wahl einer neuen Superintendentin notwendig geworden war, nachdem die Landessynode im November 2025 Susanne Falcke zur theologischen Vizepräsidentin gewählt hatte. „Ich bin froh, dass Sie mit Imke Philipps Ihre Superintendentin gefunden haben“, sagte sie. Zugleich dankte sie allen, die die Vakanzzeit gemeinsam im Kirchenkreis gestaltet hatten. Besonders hob sie das Engagement von Assessor Axel Gehrmann und Raphaela Buhl aus der Superintendentur hervor, die in dieser Zeit „die Fäden in der Hand gehalten“ hätten.
Mit Blick auf Imke Philipps sagte Ruck-Schröder: „Es war Zeit für eine Zäsur. Nach 21 Jahren als Gemeindepfarrerin hast du dich bewusst entschieden, Verantwortung für etwas Größeres zu übernehmen.“ Philipps Aufgabe sei nun, die im Kirchenkreis angestoßenen Prozesse weiterzuführen. Dazu zählt auch das Bestreben der drei Kirchenkreise im Münsterland, einen gemeinsamen Kirchenkreis zu bilden.
„Imke Philipps ist für diese Aufgabe wie geschaffen“, betonte die Präses. Als Gemeindepfarrerin wisse sie, wie es sich anfühle, wenn nicht alles so bleibe, wie es immer gewesen sei – etwa wenn nicht mehr in jeder Gemeinde eine Pfarrperson verortet sei. Als Supervisorin bringe sie zudem Erfahrung darin mit, Veränderungsprozesse anzugehen und zu gestalten. „Unsere Ressourcen werden kleiner, wir brauchen Ideen, wie wir Kirche gestalten“, sagte Ruck-Schröder. Das gemeinsame Ziel von Kirchengemeinden, Kirchenkreis und Landeskirche sei es, „weiterhin als Kirche präsent zu sein“.
„Was ist da? Wer ist da?“
In ihrer Predigt nahm Imke Philipps die Speisung der Viertausend aus dem Markusevangelium in den Blick. Sie erinnerte daran, dass die Zeit, in der das Evangelium geschrieben wurde, von Hunger und Gewalt, Flucht und Unsicherheit geprägt war. Jesus habe die Menschen im Licht Gottes gesehen, ihr Schicksal sei ihm nahegegangen. „Wie viele Brote habt ihr noch?“, fragt er seine Jünger. „Für mich ist das die entscheidende Frage dieser Geschichte“, sagte Philipps. Denn sie richte die Aufmerksamkeit auf das, was da ist. Statt festzustellen, dass das Vorhandene nicht für so viele Menschen reiche, segnet Jesus das Brot und lässt es verteilen.
„Diese Perspektive nehme ich mit in meine Arbeit: Was ist da? Wer ist da?“, so Philipps. Statt auf das zu schauen, was weniger werde – etwa die Zahl der Gläubigen oder die Kirchensteuermittel –, gelte es, den Blick auf das Vorhandene zu richten. Viele Menschen engagierten sich vor Ort in den Gemeinden und setzten Projekte um, die Begegnung ermöglichten. „Unsere Gemeinden können Orte sein, an denen wir mit unserer Verschiedenheit zusammenkommen und miteinander im Gespräch bleiben“, sagte Philipps.
Grüße und gute Wünsche für das neue Amt
Im Anschluss an den Gottesdienst überbrachte Superintendent Holger Erdmann die Grüße der Evangelischen Kirchenkreise Münster und Tecklenburg. Dr. Ludger Kaulig sprach für die Katholische Kirche im Münsterland. Bischof Mhaka betonte die Bedeutung von Solidarität und gemeinsamer Verantwortung für die Zukunft und hieß Philipps in ihrem neuen Amt willkommen. Landrat Dr. Martin Sommer hob die gute Zusammenarbeit zwischen Kreisverwaltung und christlichen Kirchen in der Region hervor. Er wünschte Philipps, dass sie sich in ihrem neuen Amt selbst treu bleibe und aufmerksam zuhöre und wahrnehme, wohin sich Kirche entwickle.
Das letzte Wort hatte Imke Philipps selbst: „Der Segen Gottes ist durch eure Hände gegangen und hat mich erreicht. Ich wage diesen Schritt und tue es nicht allein.“




