Viele Jahre begleitete Dr. Jean-Gottfried Mutombo den Kirchenkreis als Mitarbeiter des oikos-Instituts für Mission und Ökumene der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) und war im Ausschuss für Weltkirche und globales Handeln aktiv. Im Februar übergab er die entsprechenden Zuständigkeiten an seinen Kollegen Dr. Gregor Mathee.
Im Interview gibt Dr. Gregor Mathee Einblicke in seine Arbeit und erklärt, mit welchen Fragen sich Kirchengemeinden und Privatpersonen an ihn wenden können.
Was macht eigentlich ein Referent für Weltanschauungsfragen im oikos-Institut für Mission und Ökumene?
Mathee: Meine Kollegin Carolin Schaefer (gerade in Elternzeit) und ich sind am 1. November 2025 neu gestartet. Als Referent*innen für Weltanschauung beobachten wir erstens, was in Kirche und Gesellschaft thematisch relevant ist – unter dem Fokus von Religion und Weltanschauung. Weltanschauung meint dabei den Blick auf Leben, Menschen und Welt ohne den Gedanken an Gott oder andere höhere Wesen.
Zweitens geben wir Einschätzungen zu Themen – auch unter einem bewusst theologischen Standpunkt: Wie ist Thema X aus reformatorisch-protestantisch Perspektive einzuschätzen? Das kann sehr facettenreich werden: Das kann zum Beispiel eine christliche Gemeinde sein, die Räume bei einer anderen Gemeinde anfragt oder auch Anfragen zu Neuoffenbarungsreligionen, rechtem Christentum, Esoterik, Verschwörungsdenken.
Der dritte Teil unserer Arbeit umfasst die Beratung, Seelsorge und Begleitung von Menschen, die entweder selbst in einer konfliktreichen Gruppierung sind und Hilfe beim Ausstieg suchen oder wir beraten Angehörige, die sich um diese Menschen sorgen und sich fragen, wie sie mit der Radikalisierung umgehen sollen.
Warum ist die Arbeit wichtig?
Mathee: Weltanschauungsarbeit ist Krisenbegleitungsarbeit. Im Großen, wenn es um gesellschaftliche Strömungen wie Autoritarismus, Desinformation und ähnliche Entwicklungen geht oder im persönlichen Leben von Betroffenen. Dabei sind beide Ebenen miteinander verbunden. Die Arbeit ist wichtig, weil sie den Menschen unserer Kirche und darüber hinaus (wir fragen nicht nach Kirchenzugehörigkeit) eine Anlaufstelle bietet, um Auskünfte zu unterschiedlichen Themen zu geben, die uns heute in Kirche und Gesellschaft beschäftigen
Menschen, die sich an uns wenden, erzählen immer wieder von der Unsicherheit, an wen sie sich mit ihrer religiös-weltanschaulichen Frage oder ihrem Problem wenden können: Wer kann beraten und weiß von den Hintergründen und den dazugehörigen Leiden? Oft ist es kein Fall für die Polizei, für den Hausarzt oder für die Psychotherapeutin, die zudem das religiöse Hintergrundwissen nicht haben. Wer hilft, wenn bspw. ein volljähriges Familienmitglied den Kontakt abbricht, weil es mit der Yoga-Gruppierung nach Südamerika auswandern will? In solchen Fällen bieten auch viele Landeskirchen Beratung an, Gott sei Dank auch die EKvW.
Wie profitieren die Kirchengemeinden davon?
Mathee: Kirchengemeinden können davon vielfältig profitieren: etwa bei Anfragen zur Einschätzung einer religiösen Gruppierung oder Strömung oder für Vorträge. Gemeinden können bei Bedarf auf unserer Beratung verweisen und diese in Anspruch nehmen. Jede und jeder kann sich an uns wenden mit Fragen und Anliegen – ob für Beratung, Auskünfte oder Bitten um Einschätzungen.
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